1. 1947-1953: Die Anfänge

Die Kull

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft wurde 1913 in Binz auf Rügen gegründet und wird damit in diesem Jahr stolze 104 Jahre alt. Die vordringliche Aufgabe des Vereins, die Ver­hinderung des Ertrinkungstodes, hat sie in in ruhigen wie auch in schwierigen Zeiten wahr­genommen.

Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges und dem Neubeginn nahm auch die Arbeit der DLRG wieder Fahrt auf. 1947, 34 Jahre nach der Gründung der DLRG, wurde in Wiesbaden die vorgenommene Umbenennung des Verbandes in Deutsche Lebens-Rettungs-Gemeinschaft wieder rückgängig gemacht. Von nun an trägt die humanitäre Organisation wieder ihren ursprüng­lichen Namen Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, und die Zahl der Landes­verbände, Ortsgruppen und Mitglieder steigt nun schnell an.

Ausbildung an der Kull

Im gleichen Jahr wurde auch die Ortsgruppe Anrath gegründet. Sie wird also in diesem Jahr 70 Jahre alt und ist damit sogar zwei Jahre älter als die Bundesrepublik Deutschland! Am Anfang waren es nur eine Handvoll Schwimmer, die sich in Anrath zusammen­fanden und eine Ortsgruppe der DLRG gründeten. Einer der Initiatoren war der damalige Bademeister der Kull, August Hoffmann. Ein weiteres der Gründungs­mit­glieder, Hans Schmitz, ist sogar heute noch Mitglied der Ortsgruppe!

Die Aktiven standen dem Bademeister (heute würde man ihn Schwimmmeister nennen) in vielen Wachstunden zur Seite. Zugleich wurde ein breit gefächertes Ausbildungsprogramm angeboten, das zum Beispiel Rettungsschwimmausbildung, Tauchausbildung sowie die Teilnahme an Vergleichswettkämpfen beinhaltete.

Sehr schnell sprach sich die Gründung der Ortsgruppe in der Anrather Bevölkerung herum, so dass sich bereits nach kurzer Zeit viele Bürger im damaligen Anrather Freibad, den meisten noch bekannt als Brockmanns Kull, einfanden, um an den Ausbildungs- und Übungsstunden teilzunehmen.

2. 1953-1970: Rhein-Rettungsdienst

Mitglieder der OG im Einsatz

Im Jahr 1953 wurde der Rhein-Rettungsdienst eingerichtet. Für die Ortsgruppe brach eine Zeit mit ungeahnter und bislang einzigartiger Akti­vität an. In Höhe der damaligen Rhein­gemeinde Langst hatte der Verein den Wach­dienst zu organisieren. Aus den Mitgliedern heraus bildete sich eine verschworene Gemein­schaft, die Wochenende für Wochenende ihre Freizeit opferte, um einen Beitrag im „Kampf gegen den nassen Tod“ zu leisten.

Die OG im Rhein-Rettungsdienst

Die unter recht primitiven Voraussetzungen begonnene Arbeit wurde im Laufe der nächsten Jahre durch Anschaffung eines Kleinbusses, Wohnwagens, Motorbootes sowie diversen Funk­sprech- und Wiederbelebungsgeräten pro­fessionalisiert. Zur Unterbringung der Gerät­schaften wurde auf dem Gelände des Freibades ein Gerätehaus errichtet. Im Zuge des Rettungs­dienstes wurden einige Aktive zu Tauchern und Rettungstauchern ausgebildet. So entstand ein Taucherzug, der sich durch Rettungen und Bergungen einen Namen machte. Um den Mitgliedern auch in den Wintermonaten Übungs- und Ausbildungszeiten zu ermöglichen, wurden in diesen Jahren Bustransfers zum Hallendbad nach Krefeld eingerichtet.

Doch diese großartige Zeit ging 1970 zu Ende. Die Ortsgruppe verlor einen wesentlichen Teil ihres Aufgabenbereiches. Durch die kommunale Neugliederung wurde die Wachstation am Rhein dem damaligen Bezirk Grevenbroich zugeordnet. Auch die Einsatzzeiten im Freibad entfielen, als die Kull geschlossen wurde. Damit gab es auch für den Tauchzug keine Überlebensmöglichkeit mehr. Er löste sich auf.

3. 1970-1994 Schwierige Jahre

Abriss des Hallenbades

Die Ortsgruppe musste umdenken und sich neu ausrichten. Sie konzentrierte sich auf die Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung. Mittlerweile war das Willicher Hallenbad fertiggestellt worden; es wurde das neue Zuhause des Vereins. Hier wurde nun die Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung fortgeführt. Als große Herausforderung  erwies sich dabei die Finanzierung des Busses, der extra für die Fahrt zu den Übungsstunden von einem ortsansässigen Busunternehmer angemietet werden musste.

Immerhin konnten nach der Fertigstellung des Willicher Freibades ab dem Sommer 1982 wieder Rettungsschwimmer der Ortsgruppe Anrath Wachdienst verrichten. Viele Mitglieder engagierten sich zudem beim Wasserrettungsdienst an Nord- und Ostsee. Es sah so aus, als würden sich so langsam stabile Verhältnisse für die Ortsgruppe ergeben.

Doch dann wurde das Hallenbad durch einen Brand in der Cafeteria im Jahre 1990 über Nacht unbenutzbar. Die Gemeinde, die sowieso über sinkende Besucherzahlen klagte, beschloß, das Bad nicht zu reparieren sondern an gleicher Stelle ein Spaßbad zu errichten, um den geänderten Ansprüchen der Bevölkerung Rechnung zu tragen. Der Abriß und Neubau des Bades „de Bütt“ zogen sich bis 1994 hin.

Wieder einmal war der Ortsgruppe der Aufgabenbereich verloren gegangen. Um ihr ein Überleben zu ermöglichen, wurde nach Ausweichbädern für die Übungs­stunden gesucht. Die Ortsgruppe Mönchengladbach half in der Not und stellte einen Teil der eigenen Trainingszeit zur Verfügung. Für vier Jahre hieß es nun, einmal wöchentlich nach Mönchengladbach zu fahren, was trotz der Bereitstellung eines Busses durch die Stadt Willich immer ein Kraftakt war. Die Mitgliederzahl brach ein; Zum Schluß hatte der Verein gerade mal 85 Mitglieder.

4. 1994-2017 Ausbildung und Wachdienst in „de Bütt“

Das Team der OG für einen Triathlon

Am 22.06.1994 war die schwimmbadlose Zeit in Willich endlich vorbei. Das Sport- und Freizeitbad „de Bütt“ wurde eröffnet. Die verbliebenen Mitglieder der Ortsgruppe Anrath atmeten auf: Endlich wieder regelmäßige Übungsstunden und die Möglichkeit, Wachdienst zu leisten! Und mit den Möglichkeiten stieg auch wieder das Interesse der Willicher an der DLRG, die Mitgliederzahlen erholten sich schnell, das Maximum wurde 2010 mit 1021 Mitgliedern erreicht. Seitdem haben sie sich bei ca. 800 Mitgliedern eingependelt.

Der Verein konzentrierte sich auf die Bereiche Ausbildung und Wachdienst wie schon Anfang der 80er-Jahre. Er legt auch heute noch großen Wert auf die Ausbildung im Bereich Schwimmen und Rettungsschwimmen. In Zusammenarbeit mit der Ortsgruppe Willich wird seit der Öffnung des Freizeitbades ein regelmäßiger Wachdienst sowohl im Außen- wie Innenbereich durchgeführt, was sich auf die Gemeinschaft und Kameradschaft positiv auswirkt.

Alleine durch die Ortsgruppe Anrath wurden von 1994 bis heute geschätzte 38.000 Wachstunden im Freizeitbad „de Bütt“ abgeleistet. Die Unterstützung des Radwandertages mit Menschen und Material ist fester Bestandteil des jährlichen Einsatzkalenders genauso wie der Wachdienst während des Willicher Triathlons.

Der Verein verbreiterte sein Spektrum an Möglichkeiten für die Mitglieder kontinierlich, vor allem die Jugendarbeit stand im Vordergrund. Die jährliche Jugendfahrt wurde komplettiert durch Teilnahmen bzw. Ausrichtung von Wettkämpfen oder Schwimm­veranstaltungen, aber auch durch Veranstaltungen wie ein Adventsfrühstück für alle aktiven Jugendlichen.

Die Einsatzfahrzeuge der Ortsgruppe

Seit dem Jahr 2000 bietet die Ortsgruppe erfolgreich auch die Erste-Hilfe-Ausbildung für Mitglieder und Nichtmitglieder an. Auch in Material wurde investiert: Um den Transfer von Kindern und Jugendlichen von Anrath zum Freizeitbad zu unterstützen, wurde 2008 ein neues Einsatzfahrzeug angeschafft. Dies wurde 2015 durch ein weiteres Fahrzeug ergänzt. Die zunehmende Zahl von Veranstaltungen außerhalb des Willicher Freizeitbades unterstützt der Verein 2016 durch Anschaffung von zwei großen Zelten, Sitzgarnituren und eines pas­sen­den Anhängers zum Transport der Aus­rüstung.

Rettungsschwimmerausbildung

In den letzten drei Jahren orientiert sich der Verein auch wieder mehr „nach außen“ und nimmt an Wachdiensten an der Bezirkswachstation an der Königshütte in Kempen teil. Er organisiert für die Jugendlichen Rettungsschwimmer- oder Schnupper­tauch­camps in Freigewässern der Umgebung. Auch werden in diesem Jahr wieder einige Jugendliche der Ortsgruppe einen Teil ihrer Ferien nutzen, um Wachdienst an Nord- und Ostsee zu leisten.

 

So sieht sich die Ortsgruppe gut gerüstet für die kommenden Jahre, um Kindern und Jugendlichen die Begeisterung am Schwimmen und Rettungsschwimmen zu vermitteln.